Poststrasse 22 / 53111 Bonn
Tel: 0228 / 632763 / Fax: 0228 / 632338


WEITERE THEMEN > Link Hörsystem Bonebridge® Homepage

> Schwindel> Paukendrainage > Schwerhörigkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 





Berlin, 16.11.2012:
Bonebridge® - Ein neues implantierbares Hörsystem wird vorgestellt. Am 16.11.2012 wurde im Unfallkrankenhaus Berlin im Rahmen des eintägigen, internationalen „Bonebridge Temporal Bone Lab“ das neue teilimplantierbare Hörsystem Bonebridge® vorgestellt. Dabei handelt es sich um eine Hörhilfe, welches die Schwingungsfähigkeit des Knochens nutzt, um bei bestimmten Formen der Schwerhörigkeit den Schall direkt an das Innenohr weiterzuleiten.

Eine kurze EinführungDas menschliche Gehör verarbeitet Schallwellen auf zweierlei Arten:

1. Die Aufnahme von Schallwellen aus der Luft erfolgt über die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang. Sie versetzen das Trommelfell in Schwingungen, die mechanisch über die Gehörknöchelchen an das Innenohr weitergegeben werden. Dort entsteht über eine elektrische Umwandlung ein Nervenimpuls, der im Hörzentrum des Gehirns eine Hörempfindung auslöst. Man nennt diese Schallverarbeitung Luftleitung.

2. Eine weitere Möglichkeit der Schallaufnahme erfolgt direkt über den Körper. Auch Organe, insbesondere Knochen, geraten bei ausreichender Schallenergie in Schwingung. Im Gegensatz zur obengenannten Schallverarbeitung umgeht der Knochenschall das Mittelohr und aktiviert das Innenohr direkt. Diese Schallaufnahme nennt man Knochenleitung.

Die konservative und operative Versorgung von SchwerhörigkeitenDie einfachste Form der Therapie einer Schwerhörigkeit, die uns zur Verfügung steht, ist die Anpassung von Hörhilfen. Sie nehmen den Schall über ein Mikrophon auf und verstärken ihn über einen Lautsprecher, der im äußeren Gehörgang platziert wird. Eine andere Möglichkeit stellen die sogenannten Knochenhörer dar, die die Schallwellen mittels eines Schwingungsgenerators, z.B. über einen Brillenbügel an den Knochen und damit an das Innenohr weiterleiten. In manchen Fällen stoßen jedoch diese Geräte an ihre technischen Grenzen nicht von den betroffenen Patienten akzeptiert werden.

Bei implantierbaren Hörsystemen, stehen unter anderem
knochenverankerte Hörgeräte zur Verfügung. Das Prinzip beim sogenannten BAHA-Systems (Bone Anchored Hearing Aid) basiert auf einer hinter dem betroffenen Ohr im Schädelknochen fixierten Titanschraube, an der ein Hörgerät angekoppelt wird. Die vom Hörgerät empfangenen Schallwellen werden in mechanische Schwingungen übersetzt und über die Titanschraube an den Knochen und damit zum Innenohr weitergegeben. Trotz guter Hörergebnisse können bei dieser Technik lokale Infektionen im Bereich der Schraubenfixierung auftreten, da eine Eintrittspforte für Krankheitserreger durch die Haut zum Knochen besteht. Ebenso wurden Lockerungen des Schraubensystems durch eine unzureichende Verbindung der Titanschraube mit dem Knochen (Osseointegration) beobachtet.

Was ist neu am Bonebridge®-System?Das Bonebridge®-System ist das erste Knochenhörsystem, welches durch Implantation unter die Haut direkt die Schwingungen des Hörschalls an das Innenohr weitergibt. Das System zählt zu den teilimplantierbaren Hörhilfen und ist für bestimmte Formen der Schwerhörigkeit geeignet, besonders für eine angeborene oder erworbene Ertaubung eines Ohres bei normaler Hörleistung des Gegenohres, wie auch bestimmte kombinierte Schwerhörigkeiten. Ebenso kann das System bei Versorgungen von Ohrmissbildungen des äußeren und mittleren Ohres (bei gesundem Innenohr) und schweren Formen der Otosklerose eingesetzt werden.

Das Bonebridge® besteht aus zwei Bauteilen:

1. einem unter die Haut implantierbaren Anteil, dem sog. BCI, der mit einem Empfänger, einem Magneten sowie einem Schwinger ausgestattet ist und

2. einem äußerlich sichtbaren Teil, dem sog. Signalprozessor.

Die Implantation des BCI erfolgt über einen kleinen Hautschnitt hinter dem betroffenen Ohr. Der Schwinger wird über ein Knochenbett am Knochen fixiert. Der daran angeschlossene Empfänger wird unter die Hautweichteile gelegt. Danach wird die Haut wieder über dem Implantat verschlossen. Nach einer Einheilungsphase von ca. 4 Wochen kann die Hörhilfe aktiviert werden, in dem man den Signalprozessor über dem Empfänger auf der Haut mit dem integrierten Magneten fixiert. (Siehe Abbildung).

Bei dem operativen Vorgehen handelt es sich um eine Standardoperation, wie sie auch bei der Ausräumung des Warzenfortsatzes (Mastoidektomie) in Vollnarkose durchgeführt wird. Die Operation dauert etwa 30 Minuten.

Voraussetzungen für die ImplantationDie Voraussetzungen für die Implantation sind entsprechende Hörtestergebnisse, die zuvor in der Praxis erhoben werden. Ferner sollte eine präoperative CT-Diagnostik (Computertomographie) erfolgen, um die Lokalisation des BCIs vorauszuplanen und die Knochenverhältnisse einzuschätzen. Bei dem zu versorgenden Ohr sollten keine chronischen Mittelohrentzündungen oder ein Cholesteatom vorliegen. Derzeit besteht aufgrund der Zulassungskriterien die Möglichkeit einer Implantation nur für Patienten über 18 Jahren. Für Kinder ist diese Hörhilfe bisher noch nicht zugelassen.

Wie unterscheidet sich das Bonebridge®-System von anderen Knochenleitungsgeräten, z.B. dem BAHA?Durch die transkutane Signalübermittlung und der Implantation des Empfängers unter der intakten Haut, ist dieser sicher geschützt. Damit ist auch das Risiko von Hautirritationen oder Infektionen deutlich minimiert. Eine besondere Hautpflege ist nicht erforderlich. Schließlich kann durch die neue Technik ein besseres Hörergebnis erzielt werden.

Ich führe die Operation im St. Marien-Hospital nach vorheriger, ausführlicher Diagnostik und Klärung der Kostenübernahme durch die Krankenkasse durch. Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Dr. med. Oliver Reich

Link: Hörsystem Bonebridge® Homepage>

< zurück

| Site Map | Impressum | Kontakt | 2009- HNO-Praxis-Reich