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ÜBERSICHT> Indikation zur Mandeloperation bei Kindern > Indikation zur Mandeloperation bei Erwachsenen > Zusammenfassung der Indikationen> Das Nachblutungrisiko> Senkung des Nachblutungsrisikos




WEITERE THEMEN> Verkleinerung von Mandeln (Tonsillotomie)
























Wann sollten Gaumenmandeln (Tonsillen) entfernt werden?

Während in vergangenen Jahren häufiger zu Mandeloperationen geraten wurde, findet derzeit - gerade auch wegen des Nachblutungsrisikos – ein Gesinnungswandel statt
Die Tonsillektomie gehört zu den am häufigsten durchgeführten Operationen im Kindesalter. Obwohl die Mandeloperation technisch einfach durchzuführen ist, birgt sie jedoch ein hohes postoperatives Risiko einer Nachblutung. Neben einer kritischen Indikationsstellung zur Operation sollten auch prä- und postoperative Maßnahmen ergriffen werden, um die Blutungsgefahr zu senken.

Indikation zur Mandeloperationen bei Kindern:Nach den neuesten Empfehlungen sollten Mandeln nur dann entfernt werden, wenn ein Kind gehäuft eitrige Tonsillitiden erleidet. Hierunter versteht man das nachweisliche Vorliegen einer bakteriellen Infektion durch die Streptokokken der Serogruppe A, die mit Fieber und vergrößerten Halslymphknoten einhergeht. Das typische Kennzeichen dieser bakteriellen Infektion ist die Stippchenbildung auf den Tonsillen und die Tatsache, dass häufige Antibiotikagaben erfolgt sind. Der Grund für die Entscheidung zu Mandeloperation bei häufig auftretenden bakteriellen Mandelentzündungen liegt in der Gefahr der Entstehung eines rheumatischen Fiebers, welches mit schweren Nieren- , Herz – und Gelenkschädigungen einhergeht. Die eitrige Mandelentzündung muss vom Arzt beurteilt und dokumentiert werden, um eine rein virale Infektion der Mandeln auszuschließen. Die wiederkehrende virale  Mandelentzündung bei Kindern stellt zunächst keine Indikation zur Mandeloperation dar.

Indikation zur Mandelentfernung bei Erwachsenen:Im Grunde bestehen die  gleichen klinischen Beschwerden wie bei den Kindern. Allerdings liegt bei Erwachsenen im Falle einer Nachblutung ein geringeres Risiko des Verblutens vor, da sie über ein größeres Blutvolumen verfügen. Bei einer Untersuchung bei Erwachsenen nach Tonsillektomie wurde festgestellt, dass nach einer Mandelentfernung deutlich weniger Streptokokkeninfektionen auftraten. Auch litten die Patienten weniger an Halsschmerzen und Fieber als Patienten, bei denen keine Operation durchgeführt wurde. Darüberhinaus besteht eine relative Indikation zur Mandeloperation bei einer Mononukleose (Pfeiffer`sches Drüsenfieber), die viral bedingt ist, vor allem bei jungen Erwachsenen, da Untersuchungen gezeigt haben, dass die Viruslast deutlich gemindert und damit der Erkrankungsverlauf deutlich verkürzt werden kann.



Zusammenfassend bestehen folgende Indikationen, die eine Mandeloperation bei Kindern und Erwachsenen rechtfertigen:

  1. Mehr als 5 eitrige Mandelentzündungen in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Jahren
  2. Mehr als 7 Mandelentzündungen innerhalb eines Jahres
  3. Schwere Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens
  4. Gedeihstörungen
  5. Abszessbildung
  6. Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
  7. Bei Erwachsenen: Mononukleose (Pfeiffer`sches Drüsenfieber)
  8. Angeborene Stoffwechselstörungen (M. Hunter Mukopolysaccharidose)
  9. Bei V.a. maligne Erkrankungen (z.B. Tonsillenkarzinom, Lymphomverdacht)


Das NachblutungsrisikoDas Nachblutungsrisiko nach Tonsillektomie ist nicht selten, vor allem in den ersten 24h, am 3. und 10. postoperativen Tag. Die später auftretenden Blutungen sind auf Ablösungen der Beläge in den Wundbetten zurückzuführen. In ca. 4% muß die Versorgung der Nachblutung im Operationssaal erfolgen. Gerade bei den später auftretenden Blutungen, meist zu Hause, muß eine zügige Versorgung durch ein Notfallzentrum gewährleistet sein.

Senkung des Nachblutungsrisikos:
Körperliche Schonung und angemessene Ernährung!
Zum Ausschluß einer Blutgerinnungsstörungen, die das postoperative Nachblutungsrisiko erhöhen, dient ein detaillierter Gerinnungsfragebogen, der nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. erstellt wurde. Bei Auffälligkeiten sollte dann eine spezifische, erweiterte Diagnostik erfolgen.

Körperliche Anstrengungen sollte bis zu 2-3 Wochen nach der Operation vermieden werden. Kinder sollten zu Hause auch nachts unter permanenter Aufsicht bleiben, um bei einer Blutung schnellstmöglich reagieren zu können. Vermieden werden sollten blutgerinnungshemmende Medikamente zur Schmerzbekämpfung, wie z.B. Acetylsalicylsäure (ASS). Bei der Ernährung sollte auf saure, scharfe, heiße und kohlensäurehaltige Speisen verzichtet werden.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.



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