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ÜBERSICHT> Ziele der Paukendrainage > Ist die Anlage von Paukendrainagen zu empfehlen? > Wie schnell nach Auftreten eines Paukenergusses sollte eine Paukendrainagen-anlage erfolgen?

WEITERE THEMEN > Tonsillektomie































Der Sinn und Zweck von Paukendrainagen

Hintergrund:

Der sogenannte Trommelfellschnitt und die Anlage von Paukenröhrchen gehören zu den am häufigsten durchgeführten Operationen im HNO-Bereich. Das Mittelohr steht über die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) mit dem Nasenrachenraum in Verbindung. Sie dient unter anderem dazu, eine ausreichende Belüftung des Mittelohrraumes zu gewährleisten und ermöglicht damit eine freie Schwingungsfähigkeit des Trommelfells. Dies wiederum ist Voraussetzung für eine optimale Übertragung der Schallwellen an das Innenohr. Kommt es bei Mittelohrentzündungen zur Sekretansammlung hinter dem Trommelfell, besteht eine Schwerhörigkeit. Bei Kindern mit wiederkehrenden Paukenergüssen kann dies in jungen Jahren zur Beeinträchtigung des Spracherwerbs führen.

             

Die Abbildung zeigt zwei Varianten von Paukendrainagen: oben (blau) T-Tube, darunter ein "Goldröhrchen". Zum Größenvergleich daneben eine 1 Centmünze.

Diese werden nach einem Schnitt ins Trommefell in die Öffnung eingesetzt und halten diese offen.

Ziele der Paukenröhrchenanlage :

•  Verhinderung von möglichen Folgeerkrankungen des Ohres , z.B. chronische Knocheneiterung (Cholesteatom)

•  Sicherstellung der Belüftung des Mittelohres für die normale Schwingungsfähigkeit des Trommelfells

•  Herstellung eines normalen Hörvermögens

 

Ist die Anlage von Paukendrainagen grundsätzlich zu empfehlen?

 

Es liegen keine definitiven Studienergebnisse vor, die eine Aussage darüber machen, ob die Dauer oder die Häufigkeit der Paukenergüsse einen schädigenderen Einfluss auf die Sprachentwicklung besitzen. Ebenfalls ist auch nicht geklärt, wie schwer die Hörbeeinträchtigung sein muß, damit es zu einer Störung der Sprachentwicklung durch Paukenergüsse kommt.

•  Obwohl die Studienlage derzeit noch uneinheitlich ist, kann angenommen werden, dass ein Zusammenhang zwischen der Ausbildung von Paukenergüssen und der Sprachentwicklung besteht.

Es gibt Hinweise, dass Kinder mit häufigen Paukenergüssen den exakten Merkmalsraum der kleinsten bedeutungstragenden Sprachlaut-Einheit nicht erkennen können. Hier ein Beispiel: „Rat“ und „Tat“: Hier liegt der Merkmalsraum der Sprachbedeutung am Anfang des Wortes. Werden diese kleinsten Sprachlaut-Einheiten nicht gehört, kann auch keine korrekte Aussprache erfolgen.

•  Ferner liegen Studienergebnisse vor, bei denen Kinder mit auch nur einem geringen Hörverlust eine deutliche Störungen im Bereich der sozialen Kommunikation und der kognitiven Leistungsfähigkeit, also Merkfähigkeitsstörungen, Arbeitsgedächtnisstörungen, Denk- und Lernfähigkeitsdefizite, aufweisen. Allerdings herrschen auch hier noch Schwierigkeiten diese Störungen zu quantifizieren und qualitativ zu bewerten.

Fazit:

Trotz widersprüchlicher Untersuchungsergebnisse besteht bei wiederkehrenden Paukenergüssen mit einhergehender Hörminderung eine klare Indikation zur Paukendrainagenanlage, da die Beseitigung der Hörstörung eine normale Sprachentwicklung positiv begünstigt.

 

Wie schnell nach Auftreten eines Paukenergusses sollte eine Paukendrainagenanlage erfolgen?

Empfehlung der American Academy of Otolaryngology-Head and Neck Surgery und American Academy of Pediatrics:

•  Bei Kindern ohne Risiko kann drei Monate ab Beginn des Paukenergusses zugewartet werden.

•  Nach drei Monaten oder aber umgehend, wenn eine Spracherwerbsstörung oder eine sonstige Entwicklungsstörung vermutet wird, soll ein Hörtest durchgeführt werden.

•  Bei Kindern ohne Risiko soll in weiteren 3-6 monatlichen Intervallen eine Nachkontrolle erfolgen bis der Erguss nicht mehr nachweisbar ist, ein relevanter Hörverlust eintritt oder strukturelle Veränderungen am Trommelfell bzw. des Mittelohrs vermutet werden.

•  Antihistaminika und abschwellende Nasentropfen sind für die Behandlung langanhaltender Paukenergüsse nicht sinnvoll, Antibiotika und Kortikosteroide haben keine Langzeitwirkung und sollten nicht routinemäßig eingesetzt werden.

Kinder ohne Risiken und begleitende Entwicklungsstörungen können Hörminderungen, die durch Paukenergüsse ausgelöst werden, gut kompensieren. Hier kann bis zu 6 Monate zugewartet werden.

Kinder mit einem Risiko für eine Sprach-entwicklungsstörung oder bereits bestehenden Sprachentwicklungsstörungen durch einen Paukenerguss sollten möglichst rasch eine Paukendrainage erhalten.



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