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WEITERE THEMEN> Entfernung von Mandeln (Tonsillektomie)

 

 

 

 

Tonsillenhyperplasie

vor der OP

 

 

 

Verkleinerung der rechten Seite, man erkennt das elektrische Messer, mit dem das überschüssige Mandelgewebe abgesetzt wurde

 

 

Postoperative Verhältnisse, das Mandelrestgewebe wird durch den vorderen Gaumenbogen verdeckt.




Informationen zur Tonsillotomie - Verkleinerung der Mandeln Die Gaumenmandeln (Tonsillen) sind Teil des lymphatischen Gewebes im Rachenraum. Sie dienen vor allem im Kindesalter der Abwehr von Viren und Bakterien und sind damit ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems.

Wann werden gesunde Gaumenmandeln zum Problem?In manchen Fällen können klinisch gesunde Mandeln aufgrund einer erhöhten Immunaktivität deutlich an Größe zunehmen, ohne dass eine akute Entzündung vorliegt. Man bezeichnet eine Vergrößerung der Mandeln als Tonsillenhyperplasie. Bei extrem großen Mandeln spricht man auch von sogenannten „Kissing tonsils“. Die Folge ist eine mechanische Verlegung der oberen Atem- und Speisewege. In vielen Fällen sind gleichzeitig auch die Nasenrachenmandeln (Adenoide) mitbetroffen und behindern zusätzlich die Nasenatmung.

Unter welchen Beschwerden leiden die Betroffenen?Die Betroffenen leiden vor allem unter einer permanenten Mund- und Nasenatmungsbehinderung, wodurch wenig Sauerstoff mit der Atmung aufgenommen wird. Zum Ausgleich erfolgt eine Mundöffnung mit einer Vorverlagerung der Zunge und des Unterkiefers, um mehr Platz im Rachenraum für eine bessere Passage der Atemluft herzustellen. Langfristig kann dies bei Kindern zu Entwicklungsstörungen des Kiefers und Artikulationsstörungen führen, da sich die Mundboden- und Kiefermuskulatur ungünstig ausbildet und teilweise an nötiger Grundspannung verliert.

Ferner können Schluck- und Aussprachestörungen auftreten („kloßige“ Aussprache). Sind zudem auch die Nasenrachenmandeln vergrößert, tritt auch ein sogenanntes „ geschlossenes Näseln“ auf. Das Kind spricht so, als ob es permanent die Nase zuhält.

Viel gravierender sind jedoch die möglicherweise während des Schlafes auftretenden
Atemaussetzer (Apnoephasen), die bei Kindern nicht auftreten dürfen. Während des Schlafes sinkt der Muskeltonus der Zunge und des Zungengrundes ab. Bei einer entsprechenden Vergrößerung der Mandeln kommt es dann zur Verlegung der oberen Atemwege, wodurch die Luft-und Sauerstoffzufuhr vollständig unterbrochen wird. Dadurch sinkt die Sauerstoffkonzentration im Blut, was wiederum eine Weckreaktion im Gehirn zur Folge hat. Diese Weckreaktionen verhindern, dass der Patient in die für ihn erholsamen Tiefschlafphasen gelangt. Als Konsequenz leiden die Betroffenen an Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen und Minderung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit.

Die Tonsillotomie beseitigt die Verlegung der oberen Atemwege!Im Gegensatz zur vollständigen Entfernung der Gaumenmandeln (= Tonsillektomie), werden bei der Tonsillotomie die Gaumenmandeln nur verkleinert. Es bleibt aber ein genügend funktionierendes Mandelgewebe erhalten. Diese „Kappung“ der Mandeln reicht aus, um eine freie Schluck- und Atemwegspassage herzustellen.

Welche Voraussetzungen für die Tonsillotomie müssen vorhanden sein?Aus der klinischen Erfahrung heraus muss die Indikation zur Tonsillotomie kritisch gestellt werden, d.h. es sollten möglichst keine, max. eine antibiotikumpflichtige Mandelentzündung vorausgegangen sein, da sonst ein Risiko für eine eventuelle Abszeßbildung (Eiteransammlung hinter der Mandel) besteht.

Wie wird der Eingriff durchgeführt?Der Eingriff wird in Vollnarkose durchgeführt. Für die Entfernung des überschüssigen Mandelgewebes verwende ich eine Coablationstechnik oder Hochfrequenzdiathermie, d.h. es wird ein hochfrequenter Strom über eine Sonde appliziert, die gleichzeitig blutstillend und schneidend wirkt. Zudem bietet dieses Verfahren die Möglichkeit einer sehr schonenden Wundheilung.

Stationär oder ambulant?Obwohl dieser Eingriff auf eine ambulante Behandlung ausgerichtet ist, empfiehlt unsere Fachgesellschaft eine stationäre Überwachung der Tonsillotomiepatienten für 1-2 Nächte.

Mit welchen Beschwerden und Risiken bei Tonsillotomie ist nach der Operation zur rechnen?Im Vergleich zur Tonsillektomie konnten die jüngsten Studien zeigen, dass das Nachblutungsrisiko erheblich gesenkt wird (<1%). Damit ist diese Operation als sehr sicher einzustufen. Des Weiteren werden von den Patienten postoperativ deutlich weniger Schmerzen angegeben als nach einer Tonsillektomie.

In Einzelfallstudien wurde beschrieben, dass Patienten nach einer Tonsillotomie Abszesse im Bereich des noch verbliebenen Restgewebes aufgrund von Vernarbungen der Schnittfläche ausbilden können. In solchen Fällen müssten dann auch die Restmandeln komplett entfernt werden.

Falls Sie noch weitere Fragen haben, stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Dr. med. Oliver Reich

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